Ein Katzensprung.

Im Winter 2017/18 bin ich mit der Bahn von Lissabon nach Porto gefahren. Für den Rückweg ein paar Tage später habe ich mir einen Inlandsflug mit der portugiesischen TAP geleistet, die mit der Lufthansa kooperiert. Ich habe meine Erlebnisse hier aufgeschrieben, weil sie einen einfachen Vergleich zwischen Bahn und Flugzeug erlauben, ohne Missstände bei der Deutschen Bahn etc. in den Blick zu nehmen.

Gestartet bin ich im Lissabonner Bahnhof Santa Apolónia. Ein angenehmer kleiner Kopfbahnhof mit Metro-Anbindung. Der Zug sollte um 11:30 fahren, also war ich um 11 Uhr am Bahnhof, habe mir eine Flasche Orangensaft gekauft und bin in den bereitgestellten Zug eingestiegen. In Portugal ist die Bahn nicht so teuer, also habe ich mir die Erste Klasse geleistet. Großraumwagen, Reservierungspflicht, ich hatte einen Einzelsitz. Mit mir im Wagen fuhren hauptsächlich ältere Damen und Rentnerpaare, aber auch zwei Mütter mit Säuglingen, die angenehm ruhig und schläfrig waren. Die Fahrt nach Porto sollte 3 Stunden dauern, mit Verspätung waren es dann knapp 3 1/2 Stunden. Am Bahnhof Porto Campanha bin ich in die Metro umgestiegen und zu meinem Hotel gefahren.

Mein Rückflug ging ab Porto um 12:10. Kurz nach 8 habe ich mich vom Hotel aus auf den Weg gemacht. Die Metro zum Airport fuhr nur alle 30 Minuten, die Fahrt dauerte über 40 Minuten. Ab Stadtmitte wurde der Zug so voll, dass die meisten Fahrgäste stehen mussten und es ein ziemliches Chaos wegen der ganzen Koffer gab.

Vor dem TAP Schalter im Airport stand eine gewaltige Schlange, vielleicht 100 Meter lang, durch Absperrungen in eine Zickzackform gebracht. Die meisten Leute hatten geradezu grotesk viel Gepäck bei sich. Kein Wunder, wenn ganze Familien zu Weihnachten zu den Großeltern geflogen waren und sich jetzt mit Kindern, Haustieren und Flachbildschirmen auf den Rückweg machten. Es gab eine kürzere Schlange für irgendwelche besonderen Passagiere. Nur weil die lange Schlange völlig hoffnungslos aussah, probierte ich die kürzere, und siehe da, die freundliche Dame checkte mich ein.

Die dann folgende Sicherheits-Kontrolle war total chaotisch, ein riesiger Menschenhaufen, der von Männern in gelben Westen in irgendwelche Labyrinthe aus Absperrband geschickt wurden. Die Stimmung war nahe an der Massenpanik. Dann Jacke ausziehen, ja auch die Jacke unter der Jacke, alles in die Plastikkisten, die dann in die Durchleuchtung geschoben wurden. Ich sah distinguierte portugiesische Herren mit ihren Schuhen in der Hand auf Socken umhergehen. Jetzt ging es in den Apparat, Hände hoch, und warten, bis ein Mann mit Weste nickte. Überstanden. Sie dürfen sich wieder anziehen.

Ich vergesse ja immer wieder, wie entwürdigend es inzwischen ist, in ein Flugzeug zu steigen. Eine Flugreise besteht hauptsächlich aus Warten und Schlangestehen. An Airports, die man nicht kennt, kann man nie sicher sein, dass man am richtigen Schalter steht, auch die Security-Prozeduren unterscheiden sich, so dass man dauernd zurechtgewiesen wird, mal höflicher, mal weniger höflich.

Nach der Security ging es dann durch den gewaltigen Luxusgüter-Einkaufsbereich. Gerade wurden fast noch unsere Körperöffnungen nach Waffen durchsucht, jetzt bekommen wir Whiskey und kostspielige Alukoffer angeboten. Feine Damen stehen neben edlen Produkten und haben ein sehr professionelles Lächeln für uns.

Die Szene am Gate dagegen hatte mit Luxus und Lächeln nichts mehr zu tun. Dort haben wir Passagiere auf engstem Raum zusammengesessen und auf unser verspätetes Flugzeug gewartet. Kinder tobten durch die Reihen, Säuglinge schrien sich die Lunge aus dem Leib, Ehepaare keiften sich an. Endlich verkündete der Lautsprecher, dass wir einsteigen durften und teilte uns mit, wie sich die Fluggesellschaft die Reihenfolge beim Boarding vorstellte. Sofort bildete sich eine lange Schlange, die sich unendlich langsam voran bewegte, weil jeder Fluggast überrascht war, dass er am Gate auch seinen Ausweis vorzeigen musste.

Zum Flug selbst lässt sich nicht viel sagen. Er war kurz. Dennoch bekamen wir eine kleine Mahlzeit gereicht, einen Keks, der wie ein kleines Schweineohr aussah und lecker schmeckte.

Na ja, in Lissabon haben wir dann 35 min auf unser Gepäck gewartet.

Fazit: Fliegen ist inzwischen mit dem Verlust von so viel Autonomie verbunden, dass man es wohl mit der Grundausbildung bei der Bundeswehr vergleichen könnte. Oder mit der Aufnahmeprozedur einer Justizvollzugsanstalt. Aber im Knast oder beim Bund kann man während der Prozedur nicht mal eben eine Familienpackung Überraschungseier und eine Designer-Aktentasche kaufen.

Ja, ich weiß, das ist alles nicht neu. Es hat mir einfach Spaß gemacht, es trotzdem mal aufzuschreiben. Weil ich mich jedes Mal, wenn ich eine Weile nicht geflogen bin, auf den nächsten Flug freue. Und weil ich mich noch erinnere, wie ich beim Buchen dachte, der Flug dauert nur eine Stunde, ist ja quasi ein Katzensprung.

08. Januar 2018